Galerie Gisèle Linder
Galerie Gisèle Linder GmbH
Elisabethenstrasse 54
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Renate Buser Past | Future | Present
8. Juni bis 16. Juli 2022

Über ein Studium der Malerei ist Renate Buser dazu gekommen analog zu fotografieren und mit fotografischen Bildern Blicke auf bestehende Architektur, gebaute Welt zu lenken. Buser verwendet für ihre sachlichen Aufnahmen eine Grossbildkamera mit Stativ und zeigt sie seit Beginn mehrheitlich an und in den Räumen, wo sie entstanden. Die Grossbildkamera gehört zu den klassischen Apparaten mit einer Optik, die in den Korrekturmöglichkeiten von Verzerrungen und der Bildqualität unübertroffen sind. Auf die Frage nach dem anachronistischen Moment dieses Verfahrens, antwortetet sie: „Ich habe das Kameraformat ständig vergrössert, bis ich bei der Grossbildkamera angekommen war. Das ist eine Kamera, die ich immer noch tragen und mit der ich das Bild sehr stark konstruieren kann. Mich hat nie interessiert, derlei Arbeiten am Computer zu machen. Die Erfahrung im Raum, im realen Raum, ist mir wichtig. Erst dort kommen mir Ideen. Die Architektur ist ein grosses Inspirationsfeld, das man anhand der Fotos nacherleben kann. Es geht mir darum, den Raum in Bewegung zu erleben. Es ist ein Spiel zwischen dem, was real vorhanden ist und dem, was fotografiert ist.“ (Gespräch zwischen Philip Ursprung und Renate Buser, 29. August 2007, in: Publikation anlässlich der Ausstellung „slightly urban“, Kunsthaus Baselland, 2007)

Busers Arbeitsweise folgt einer Methode, die sie mit jedem Projekt auslotet und testet. Das Wissen um Logiken, Eigenlogiken und der Umgang mit Systemen und Abläufen sind wesentlich für die Verlaufsplanung und das Ergebnis. Die Struktur und Infrastruktur besteht aus Kameras, Reisen bis nach Rajasthan und Gujarat und einem Atelier mit eigener Dunkelkammer, einem Archiv, Lagern, Kontakten und einer beständigen Auseinandersetzung mit gebautem Raum, Systembauweisen und Architekturen aus verschiedenen Zeiten und Kulturen.

Die aktuelle Ausstellung zeigt einen Querschnitt ihres Schaffens in den Räumen der Galerie, mit der sie seit 2005 zusammenarbeitet. Die jüngst sanierten Innenräume stehen durch raumhohe Fenster in einem Verhältnis zum De Wette Park und den Hauptverkehrsachsen in nächster Nähe zum Schweizer Bahnhof. Rückseitig grenzt das Grundstück durch einen Hinterhof mit Garten an die Bebauung des Quartiers. Sie findet in einem Zeitraum statt, währenddessen sich in Basel an Bespielen wie dem Roche Bau 74 und dem Hallenbad Rialto studieren lässt, mit welchen Argumenten das bauliche Erbe der Stadt ab den 1950er-Jahren abgerissen, saniert, umgenutzt und rückgebaut wird.

Die Auswahl umfasst Arbeiten aus den frühen 2000er Jahren bis zu zwei Projekten in Basel und Olten, deren Realisierung und feierliche Eröffnung im Herbst dieses Jahres und 2023 bevorstehen und einer Edition anlässlich der Ausstellung. Konzeptionell setzt sich die Künstlerin über die Unterscheidung zwischen künstlerischen und angewandten Arbeiten in vollem Bewusstsein darüber hinweg, dass diese Kategorisierung bei Ausschreibungen, Vergabe und Umsetzung grundlegend sind und in die Vermittlung hineinwirken. Sie nimmt damit eine Tendenz auf, affirmativ visuell nachvollziehbare Zugänge zu Kunst und Architektur als gemeinsamen kulturellem Erbe zu schaffen.

Fotografien auf wetterbeständigen Trägermaterialien Seit den späten 1990er-Jahren konzipiert und produziert Buser Fotografien von Gebäudeinneren und Architekturelementen auf wetterbeständigen Planen aus Kunststoff und Ultrameshgewebe, die als Teil von ortsspezifischen Fotointerventionen an Wänden und Fassaden temporär angebracht wurden. Sofern es logistisch möglich war, wurden die Werke im Anschluss aufbehalten und gelagert. Als entschieden war, die Zustände der überdimensionalen Plachen zu kontrollieren und zu inventarisieren, plante Buser diese Massnahme, einen Teil des Archivs zu konsolidieren als Projekt in Verbindung mit einer Strategie für die filmische Dokumentation. Das «Art Handling» wurde gemeinsam mit einem kleinen Team im Verlauf von einigen Tagen umgesetzt. Die Plache, die für die Installation in der Barockkirche in Bellelay mit einem Motiv des schmiedeeisernen Gitters bedruckt wurde, welches das Kirchenschiff vom Altarraum trennt, bedeckt die Hälfte einer Betonwand im Hinterhof der Galerie: „Eine wichtige Entscheidung für das Innere der Kirche war es, mit dem Raum und nicht gegen seine Struktur zu arbeiten. Die leicht in den Raum gekippte Gitterornamentik in die Öffnung des Gitters zu setzen, kam erst spät in der Planung. Auch hier geht es mir um einen Bruch mit der Symmetrie, um die Alternative, ob wir links oder rechts von diesem Gitter weitergehen möchten. Ich war mir auch bewusst, dass ich hier mit ganz künstlichem Material arbeiten muss. Deshalb verwende ich als Bildträger keine filigranen Textilien, sondern klassische Lastwagenplanen.“ (Gespräch zwischen Renate Buser und Hans Rudolf Reust in der Abteikirche Bellelay, 10. Juni 2014; in: Publikation „Renate Buser: Barock“ anlässlich der Ausstellung in der Fondation de l’Abbatiale de Bellelay, 2014).