Galerie Gisèle Linder
Galerie Gisèle Linder GmbH
Elisabethenstrasse 54
CH-4051 Basel
Tel +41 61 272 83 77

English

Français

 


Nicole Miescher „Recent Works“ 31.10.2020 – 09.01.2021

Gisèle Linder zeigt mit Recent Works erstmals eine Übersicht verschiedener Werktypen der Basler Künstlerin Nicole Miescher: Landschaft, Architektur, Blumen und ein monumentales Reiterbild. Die Künstlerin verfügt über einen Fundus an Bildern, entstanden auf Reisen und in ihrem Alltag, zufällig geschossen oder bewusst gesucht. Die eigentliche Arbeit an den Bildern erfolgt im Atelier digital. Die Bilder werden dahingehend hinterfragt und bearbeitet bis die Künstlerin die im Moment des Abdrucks empfundenen Emotionen wiedergefunden hat. Das kann immer öfter hin zur Abstraktion führen.

Nicole Mieschers Interesse an Landschaft und Architektur sind eng mit ihren jährlich wiederkehrenden Reisen nach Südamerika oder seit einigen Jahren auch Afrika verbunden, gehen aber auch zurück bis an die Anfänge ihres künstlerischen Schaffens in den 1990er Jahren und der Serie von schwarzweiss Analogfotografien aus Sibirien, die vor zwei Jahren im Untergeschoss in der Ausstellung Sibirische Steppe ausgestellt waren. Dieses Mal sind es digital bearbeitete Bilder vom Meer und den Bergen, Sehnsuchtsorte der urbanen Menschen, Orte wo sich Himmel und Erde treffen. Sinnbildlich dafür die Arbeit wo der Himmel alleine im Zentrum steht und die einzige menschliche Spur der Kondensstreifen eines vorbeiziehenden Flugzeuges ist, in der heutigen Zeit scheint das sogar ein Bild aus vergangenen Tagen. Das Bild aus den Bergen mit der starken Verpixelung erinnert an französische Malerei der Impressionisten, zum Beispiel Georges Seurats pointillistische Landschaften, jedoch ohne direkte Referenz. Auch die Architekturbilder sind Fundstücke von Nicole Mieschers Wegen in fremden Ländern. Die einfache und natürliche Farbigkeit der Häuserfassaden scheint dabei tonangebend für die digitale Bearbeitung, die frontale ins Bild Setzung der Fassade gibt den Rhythmus des Bildes vor. Speziell das Haus mit der weiss-rosa Fassade, eines ihrer Hauptwerke, spielt mit der Rolle des Menschen im Bild: Gänzlich abwesend, manifestiert sich seine Rolle und seine Geschichte durch das Motiv des Hauses.

Auch mit Blumen-Stillleben; eine Gattung, die aus der Kunstgeschichte bestens vertraut ist, beschäftigt sich die Künstlerin seit längerer Zeit. Durch das extreme Close-up und die bewusste Bearbeitung entwickeln die Blüten in dieser Serie eine landschaftliche, teilweise sogar eine abstrakte Qualität. Die Serie verstärkt den weichen, ja zerbrechlichen Charakter der Blüten, hat eine starke sinnliche Komponente und gleichzeitig mit Hinblick auf den schnellen Zerfall von Blumen auch ein mahnendes Moment.

Der Abschluss der Ausstellung bildet im Aussenbereich ein Motiv, von dem die Künstlerin unzählige Bearbeitungsstufen entwickelt und kreiert hat. Für einen spezifischen Ort hat sie bereits einmal ein ähnlich grossen Bild entwickelt, das heute leider nicht mehr existent ist. Anlässlich dessen schuf sie eine weitere Version des Reiterbildes. Die langgezogene Steppenaufnahme zeigt mongolische Reiter im Galopp. Auch das Motiv des Reiters hat eine lange kunsthistorische Tradition auch in Kombination mit Reisen in andere Länder. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang Frank Buchsers Gemälde Der Vorsteher von New Forest (1877), das einen amerikanischen Sheriff zeigt, den der Schweizer Maler bei seinen Reisen angetroffen hat.

Dominik Müller, Oktober 2020